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Frühkindliche Bildung in der Schweiz

Newsletter 6/2011 der Schweizerischen UNESCO-Kommission

UNESCO I

Treffen von Akteuren der frühkindlichen Bildung aus der französisch- und italienischsprachigen Schweiz
An dem Austausch nahmen über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vor allem aus der Westschweiz und dem Tessin, teil. Vertreten waren insbesondere Universitäten, Hochschulen, höhere Fachschulen für Kleinkindererzieherinnen und Kleinkindererzieher, Forschungsinstitute und einschlägige Gemeindestellen.

In einem ersten informativen Teil wurden die Ziele der UNESCO und der Schweizerischen UNESCO-Kommission im Bildungsbereich in Erinnerung gerufen: die Förderung einer Bildung hin zu Frieden, kultureller Vielfalt und nachhaltiger Entwicklung. In der Erklärung von Dakar aus dem Jahr 2000 wurde festgehalten, dass insbesondere die Idee einer qualitativ guten Bildung entwickelt werden muss und dass die frühkindliche Bildung unter Anerkennung ihrer Besonderheiten aktiv unterstützt werden sollte. Deshalb hat die Schweizerische UNESCO-Kommission beschlossen, eine Projektgruppe mit der Förderung der frühkindlichen Bildung in unserem Land zu beauftragen. Damit soll verhindert werden, dass sich die auf Gemeindeebene zersplitterte frühkindliche Bildung auf die blosse Betreuung in einem Hort beschränkt oder dass sie auf eine immer frühere Einschulung hinausläuft und so ihre Besonderheiten verliert.

Die Kommission hat ihre verschiedenen laufenden Projekte vorgestellt, namentlich die erste Grundlagenstudie zur frühkindlichen Bildung in der Schweiz und das aktuelle Vorgehen zur Erarbeitung eines Orientierungsrahmens in Partnerschaft mit dem Netzwerk Kinderbetreuung. Es wurde in Erinnerung gerufen, dass am 24. Mai 2012 eine erste Debatte zu diesem Rahmen stattfinden wird.

Hauptziel des Treffens war es, die Forschungsbedürfnisse im Bereich der frühkindlichen Bildung in der Schweiz – und vorallem in der lateinischen Schweiz – zu ermitteln und die Prioritäten aufzulisten. Die Zusammenfassung der an diesem Treffen geführten Diskussionen wird demnächst auf die Website der Schweizerischen UNESCO-Kommission aufgeschaltet.

Bereits jetzt sei darauf hinweisen, dass es den Teilnehmenden ein Anliegen ist, die Errungenschaften der französisch- und italienischsprachigen Schweiz im Bereich frühkindliche Bildung im ganzen Land zu verbreiten. Angeregt wurde u.a., die Fortsetzung eines Austauschs und einer Konzentration auf die Bekanntmachung und Vermittlung innovativer Praktiken, aktueller Diskussionsthemen, Forschungsbedürfnisse und deren Resultate.

Die Schweizerische UNESCO-Kommission hat sich bereit erklärt, diesen Austausch zu fördern.

Pierre Varcher
Mitglied Projektgruppe "Frühkindliche Bildung in der Schweiz" der Schweizerischen UNESCO-Kommission

Weitere Informationen zur Projektgruppe finden Sie hier. Das Programm und die Teilnehmerliste der Table ronde können hier eingesehen werden.

UNESCO II

Nationales Symposium für einen Orientierungsplan Schweiz
Am 24. Mai 2012 laden die Schweizerische UNESCO-Kommission und das Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz zu einem nationalen Symposium zu pädagogischen Rahmenbedingungen der frühkindlichen Bildung ein. Die beiden Kooperationspartner stellen in Bern den vom Marie Meierhofer Institut für das Kind erarbeiteten Orientierungsplan für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) in der Schweiz vor und suchen das Gespräch mit Organisationen, Fachpersonen und weiteren Interessierten. Detaillierte Angaben zu dieser Veranstaltung folgen in den kommenden Monaten auf unserer Veranstaltungs-Webseite. Alle Informationen zum Orientierungsplan und den bereits getroffenen Massnahmen finden Sie bereits hier.

Politik I

Sozialkommission ist für Familienartikel in der Bundesverfassung
Die nationalrätliche Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-NR) hat sich mit 11 zu 9 Stimmen für den so genannten "Familienartikel" ausgesprochen. Ziel des auf die parlamentarische Initiative von Norbert Hochreutener zurück gehenden Artikels ist die verfassungsrechtliche Verankerung eines Artikels zur Familienpolitik. Nachdem der Artikel zu Beginn des Jahres in die Vernehmlassung geschickt wurde, schlägt die Sozialkommission nun einen neuen Verfassungsartikel 115a vor, gemäss welchem Bund und Kantone die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit fördern und insbesondere für ein bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen sorgen sollen.

Die Vorlage geht nun an den Nationalrat und zur Stellungnahme an den Bundesrat. Ausführliche Informationen zur Vernehmlassung des Familienartikels finden Sie hier. Die Medienmitteilung der SGK-NR stellen wir auf unserer Webseite zur Einsicht bereit.

UNESCO III

Tagung "Qualität und frühkindliche Bildung"

Tagung "Qualität und frühkindliche Bildung"
Das Zentrum für frühkindliche Bildung der Universität Fribourg (ZeFF) lädt am 19. Januar 2012 zu einer internationalen Tagung zu Qualität und frühkindlicher Bildung ein. Die Leitfragen der Tagung drehen sich um qualitative Standards in der frühkindlichen Bildung wie zum Beispiel: Weshalb ist Qualität in der Pädagogik der frühen Kindheit so wichtig? Wie erkennt man eine gute Krippe oder eine gute Tagesfamilie? Gibt es ein Zuviel an Qualität?

Auch die Schweizerische UNESCO-Kommission wird an der Tagung vertreten sein. Der von Heinz Altorfer, Vizepräsident der Kommission und Dominik Büchel, Projektbeauftragter der Kommission für frühkindliche Bildung, geleitete Workshop zum Thema "Politische und zivilgesellschaftliche Wege zur Qualität in der frühkindlichen Bildung" wird den Blick auf politische Handlungsmöglichkeiten in der Schweiz lenken.

Weitere Informationen zur Tagung finden Sie auf unserer Webseite. Anmelden können Sie sich bis zum 23. Dezember 2011 auf der Webseite des ZeFF.

Weiterbildung I

Fort- und Weiterbildung "Bildungs- und Lerngeschichten"
Seit drei Jahren führt das Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) das Bildungsprogramm "Bildungs- und Resilienzförderung im Frühbereich" durch. Ziel des Projektes ist es, Schweizer Kindertageseinrichtungen mit dem Verfahren der "Bildungs- und Lerngeschichten" (BULG) vertraut zu machen. Bildungs- und Lerngeschichten unterstützen BetreuerInnen in ihrer Arbeit und stellen ein ressourcenorientiertes Instrument zur vereinfachten Beobachtung und Dokumentation von Fähigkeiten und Lernfortschritten von Kindern dar.

Ab 2012 bietet das MMI nun verschiedenste Kurse zum Erlernen dieser Methode an. Zielgruppe des Weiterbildungsprogramms sind einerseits Kitas, die bereits mit BULG arbeiten und die Qualität der Umsetzung der Bildungs- und Lerngeschichten beibehalten bzw. vertiefen möchten, andererseits aber auch Kitas, die sich neu auf den Weg zur "Bildungskita" begeben möchten. Alle Angaben zum Angebot des MMI’s, aber auch zu weiteren Kursen, finden Sie auf unserer Seite zu Weiterbildungsmöglichkeiten in der Schweiz.

Politik II

Das Netzwerk Kinderbetreuung begrüsst Empfehlungen des SWTR
Im letzten Newsletter haben wir über die Empfehlungen des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierats (SWTR) berichtet. Nun ist bereits eine erste Stellungnahme erfolgt: Das Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz begrüsst die Empfehlungen des SWTR und hat eine ausführliche Stellungnahme dazu veröffentlicht. Insbesondere "der Einbezug der frühkindlichen Bildung und Betreuung und der dabei angelegte Fokus auf die Qualität" der Empfehlungen sei vorbildlich und zeige, wie wichtig umfassende rechtliche Grundlagen im Bereich der frühkindlichen Bildung und Betreuung für die Schweiz seien, so das Netzwerk. Die gesamte Stellungnahme können Sie hier lesen.

Literatur

"3V" als Schlüssel von tragfähigen Beziehungen
Kleinkinder orientieren sich in ihrer Entwicklung stets an Beziehungspersonen und richten ihr Verhalten in Interaktion mit jenen Personen aus. Heidi Simoni, Leiterin des Marie Meierhofer Instituts (MMI), hat gemeinsam mit ihrem Team das Konzept der "3V-Formel" entwickelt, um die Qualität und Quantität von solchen Beziehungen verbessern zu können. Die in der Formel enthaltenen drei V’s lauten: Vertrautheit, Verlässlichkeit und Verfügbarkeit. Laut Simoni sollte jedem Kleinkind mindestens eine "3v-Beziehungsperson" zur Seite stehen und von Seiten der Gesellschaft auch über längere Zeiträume hinweg abgesichert werden, damit ein tragfähiges "3v-Beziehungsnetz" rund um das Kind entstehen könne. Den in der Zeitschrift "Netz" erschienene Artikel von Heidi Simoni zu diesem Thema können Sie hier lesen.

Politik III

Leitlinien frühe Förderung wurden verabschiedet

Leitlinien frühe Förderung wurden verabschiedet
Nachdem das Projekt "Vater sein in der Schweiz" den Förderpreis der Stadt Bern gewonnen hat, zeigt nun ein weiteres Projekt der vom Bundesamt für Migration (BFM) und der Eidgenössischen Kommission für Migration (EKM) initiierten Projektplattform Frühförderung Wirkung: Am 18. September 2011 hat der Regierungsrat des Kantons Schaffhausen Leitlinien für eine frühe Förderung verabschiedet. Die Leitlinien wurden im Auftrag des kantonalen Erziehungsdepartements und der Integrationsfachstelle Integres erstellt und von einer Projektgruppe erarbeitet, die von BFM und EKM unterstützt wurde. Nebst einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation im Kanton enthalten die nun erarbeiteten kantonalen Leitlinien auch Handlungsempfehlungen an die Politik.

Diese wurden offensichtlich positiv aufgenommen. So schreibt der Regierungsrat in einer Medienmitteilung: "Die Leitlinien 'Frühe Förderung' sind von hoher gesellschafts-, sozial- und bildungspolitischer Bedeutung für den Kanton und die Gemeinden. Entsprechend ist der Regierungsrat bestrebt, seine koordinierenden und lenkenden Möglichkeiten zur Unterstützung von Familien - selbstverständlich auch unter Einbezug der privaten Akteure - im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und des politisch Machbaren auszuschöpfen." Den vollständigen Wortlaut der Medienmitteilung, eine Kurzfassung und die Vollversion der Leitlinien sowie weitere Informationen zum Projekt finden sie hier.

Aktuell

ErziehungsApp von Elternbildung CH

ErziehungsApp von Elternbildung CH
Elternbildung CH hat eine App für Erziehungsfragen lanciert. Die von Jürgen Feigel, Dipl. Sozialpädagoge und Familientherapeut ZSB, entwickelte App gibt Eltern Hilfestellung in Erziehungsfragen und ist für iPhones verfügbar. Die App ist ab sofort bei iTunes in Deutsch und Englisch verfügbar und kostet CHF 4.-

UNESCO IV

Rückblick auf die Tagung "Kindsmisshandlung - Ergänzende Blickpunkte"
Vom 19. bis zum 21. Oktober fand in Lugano die internationale Tagung "Kindsmisshandlung – ergänzende Blickpunkte" der ASPI (Stiftung der italienischen Schweiz für die Hilfe, die Unterstützung und den Schutz der Kinder) statt. Der Kongress stand unter dem Patronat der Schweizerischen UNESCO-Kommission und beleuchtete verschiedene Aspekte, die zum Wohl des Kindes in der (frühen) Kindheit beitragen können. Die Unterlagen zur Veranstaltung werden in den kommenden Wochen auf der Webseite der Stiftung aufgeschaltet. Auf unserer Webseite finden Sie zwei Zeitungsartikel der italienischsprachigen Presse zum Download, die die Veranstaltung rückblickend diskutieren ("Infanzia maltrattata, alle radici del problema" und "Il rispetto del bambino sin dalla culla").

Weiterbildung II

Kursangebot "Frühkindliche Bildung"
Die Berufsfachschule Basel bietet sechs verschiedene Module zum Thema frühkindliche Bildung an. Die sechs Module vermitteln Betreuungspersonen eine solide Basis in der Betreuungsarbeit im Vorschulbereich:

  • Einführungsmodul: Von der Betreuung zur Bildung
  • Aufbaumodul 1: Bewegte Kinder – gesunde Kinder
  • Aufbaumodul 2: Spiel ist Entwicklung
  • Aufbaumodul 3: Wahrnehmen und beobachten
  • Aufbaumodul 4: Interaktion gestalten
  • Aufbaumodul 5: Kooperation mit Eltern

Dieses und weitere Aus- und Weiterbildungsangebote finden Sie hier.

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